Alles anders - oder!?

Unsere Gesellschaft unterliegt zur Zeit einer großen Veränderung. Wir werden immer pluraler, bunter, älter, vielfältiger und, und, und. Keiner spürt das mehr als unsere Kinder. Sie haben oftmals noch nicht das Wissen und auch keine Erfahrung. Umso wichtiger ist es für die Erwachsenen die Kinder behutsam, aber auch realistisch zu informieren, damit bei den Kindern keine Ängste und Vorurteile entstehen.

Familien zerbrechen, Patchworkfamilien entstehen, die Oma ist an Demenz erkrankt, der Opa kommt ins Altersheim, der Freund ist nur noch mit dem Auto zu erreichen (weil es am Wohnort keine Gleichaltrigen mehr gibt), der Bruder heiratet einen Mann, Schulkameraden sprechen nicht mehr alle Deutsch, in den Nachrichten gibt es nur noch Krieg und Betrug - viele Dinge, mit denen unsere Kinder täglich konfrontiert werden.

Die Jugendpflege hat sich in den Herbstferien gemeinsam mit Kindern dieser Thematik gewidmet. Alles anders – oder!? Was heißt anders? Zuerst wurde in der Runde nach Unterschieden gesucht. Da kamen ganz schön viele zusammen. Einer hat ein Ohrring, die andere bunte Strähnen im Haar, der nächste eine Brille, einer ist groß der andere klein usw. Aber wen sollen wir nun ausschließen, wer entspricht nicht der Norm oder warum verändert man sein Äußeres? Vom kleinen Stuhlkreis sind wir dann gewandert immer weiter bis zum großen Weltgeschehen. Fazit der Kinder war dann auch: Niemand gehört ausgeschlossen. Wir gehören alle zusammen, alle in die Runde.

An einigen Tagen in den Ferien waren dann auch einige junge Asylsuchende eingeladen, um mit den Kindern gemeinsam einen Baum zu gestalten. Nach einem Tag des Austausches und der Theorie, ging es dann zur Praxis. Dazu war der Schmiedepädagoge Joachim Harbut eingeladen. Gemeinsam wurde ein Baum geschmiedet. Jeder konnte etwas Persönliches daran befestigen. Mit viel Spaß für Groß und Klein wurde ein kunterbunter Metallbaum erstellt.

Am nächsten Tag wurden die Gefühle, Meinungen und Vorstellungen noch einmal angesprochen und einen Namen für den Baum gefunden. Es sollte der Baum der Freundschaft sein. Dieser steht nun in der Verbandsgemeindeverwaltung und kann gerne besichtigt werden. Bewegende Meinungen aller Beteiligten hängen ebenfalls dazu aus. Hier einige Beispiele: „Ich habe einen Zauberstab geschmiedet. Wenn der echt wäre, würde ich allen Krieg wegzaubern“. „Ich habe eine Brille gemacht. Sie soll für Menschen sein, die nicht den richtigen Durchblick haben. Sie soll ihnen den richtigen Weg zeigen“. „Ich habe beim Baum mit geholfen als Zeichen der Kommunikation und wie Menschen voneinander lernen können“. „Für mich ist der Baum ein Haus und die Krone das Dach. Hier ist alles vereint. Der Baum bietet uns Nahrung, Wärme und Geborgenheit. Der Baum begleitet uns das ganze Leben“.

Ein weiteres großes Projekt, neben vielen Spielen, Basteleinen und Spaß, war das Theaterstück: „Wie das rote Gummibärchen in die Tüte kam“. In der Tüte ist es eng, langweilig und öde. Nun soll ein rotes (wer hat schon jemals ein rotes gesehen) in die Tüte mit einziehen. So ein Blödsinn. Hier ist es schon eng genug. „Du kommst nicht in die Tüte“. Das Rote rückt in den Fokus der Öffentlichkeit. Alles andere wird fast vergessen. Die “Alten“ bemühen sich vergebens um Aufmerksamkeit. Aber sie bekommen Unterstützung von dem Neuzugang. So gibt es dann doch noch ein Happyend.

Der Abschluss der Herbstferienaktion war dann eine Vorstellung des Theaterstückes für Eltern, Geschwister und Angehörige. Die gesamte Maßnahme wurde von der Kreisjugendpflege und der Verbandsgemeinde Wallmerod unterstützt. Alle waren begeistert. Und die Eltern waren beeindruckt vom schauspielerischen Können ihres Nachwuchses.

Fazit: Mit Spaß und Freude ernste Dinge angehen ist möglich, auch für Kinder. Vor allem ist es nachhaltig und wird so in die Familien mitgenommen.

2016-01-21 Alles anders